Autogenes Training kann auch Kindern helfen, um übermäßigem Schulstress zu begegnen.
Die Stadtjugendpflege Kreuztal bietet derzeit einen solchen Kurs für Kinder an.
Kreuztal. Autogenes Training ist keine Glaubens-, sondern Übungssache. Und es hat auch nichts mit Religion oder übersinnlichen Fähigkeiten zu tun, sondern stärkt bei regelmäßiger Anwendung generell die Konzentrations- und Entspannungsfähigkeit. Davon ist Erwin Pahl überzeugt. Mit ruhiger Stimme und geschultem Programm leitete er jetzt auf Einladung der Stadtjugendpflege Kreuztal einen Kurs "Autogenes Training für Kinder mit Eltern".
Bedarf ist laut Pahl vorhanden. Nach Schätzungen, so wusste er zu berichten, greife jedes dritte im Bedarfsfall zu pharmazeutischen Beruhigungsmitteln. Das sei eine erschreckend hohe Zahl. Es gebe aber auch sanfte Methoden, um etwa dem Schulstress gewachsen zu sein. Seiner Einschätzung nach gebe es kaum noch einen Spitzensportler, der sich zur Vorbereitung nicht des Autogenen Trainings bediene.
Entspannenlernen fällt Kindern besonders leicht
Doch auch "durchschnittliche" Menschen, die sich in Schule, Beruf oder Gesellschaft hohem Druck ausgesetzt sähen, könnten mit den Entspannungsübungen zu einer gelasseneren Herangehensweise finden. Für Kinder, so Pahl, sei das Erlernen der Praktiken besonders leicht. Im entspannten Zustand zwischen Schlafen und Wachen sende das menschliche Gehirn vermehrt Alpha-Wellen aus. Diese seinen gerade bei Kindern tagsüber immer wieder besonders stark nachweisbar. Außerdem verfügten die Kids über ein größeres Maß an Fantasie als die "verkopften" Erwachsenen.
Übungen, etwa die Vorstellung, dass die rechte Hand durch Halten eines imaginären Steines schwer werde, fielen den Kindern oft viel leichter als den "Großen". Das konnten auch die Youngsters bestätigen, die zum aktuellen Kurs in die Roonstrasse gekommen waren. Dabei war beispielsweise Mutter Petra mit ihrem zehnjährigen Spross Christian, um schulischen Stress und Unruhe des Kindes besser in den Griff zu bekommen.
Toleranz und Vertrauen als Grundlagen - auch die Eltern lernen mit
Doch Pahls Ansatz führt weiter als zur aktuellen Problembewältigung. "Die Kinder sollten durch das Training besser in die Lage versetzt werden, sich selbst zu finden und ihre eigenen Fähigkeiten zu erkennen", führte er aus. Als Grundlagen der Vermittlung gelten Toleranz und Vertrauen, eher spielerisch macht sich der "Trainer" mit seinen Seminarteilnehmern auf den Weg in die Fantasiereisen, die Entspannungsgeschichten werden locker erzählt, ohne die Konzentrationsfähigkeit der jüngeren Teilnehmer zu überfordern. Die so genannte "Selbstverfügbarkeit" aller bleibt dabei stets gewährleistet. Jeder soll von der ersten Übung an in der Lage sein, die Übung selbst zu beenden.
Die erste Übung diente dazu, herauszufinden, inwieweit der Einzelne auf das Autogene Training reagiere. Im nächsten Schritt geht es darum, den Körper in den Zustand angenehmer Wärmeempfindungen zu bringen. Schweregefühle stehen für Muskelentspannung, Wärmegefühle für Blutgefäß-Entspannung. Über Fantasiereisen wird das Unterbewusstsein für die "formelhaften Vorsätze" vorbereitet, die auf bestimmte Ziele, etwa im Vorfeld einer Klassenarbeit, ausgerichtet sind.
Im Ergebnis kann so Schlafstörungen, Spannungskopfschmerzen, Übelkeit etc. als Ausdruck der Nervosität und Konzentrationsstörungen begegnet werden. Die Eltern sollen dabei lernen, ihre Lieben in der Zeit nach dem Seminar richtig anzuleiten.









