Was habe ich davon, wenn ich Autogenes Training erlerne?
Ist Autogenes Training gut für mich? Was gewinne ich bei der Autogenen Meditation? Lauter Fragezeichen...
Die ersten Schritte im Leben bringen die prägendsten Erfahrungen, sagen die Psychoanalytiker. Das Kind lernt seinen Weg, die für es reservierte Laufbahn kennen, deren Stolpersteine, deren Hürden, die Störmanöver anwesender Personen (Eltern, Geschwister, Lehrer, Freunde, die doch keine waren...): So entsteht sein erstes Weltbild. Und es macht Erfahrungen über sich selbst, seine Störbarkeit, seine Fähigkeit, Stolpern aufzufangen, Hürden zu überwinden, seine Schutz– und Hilfsbedürftigkeit: Sein Selbstbild. Und es entwickelt rasch Strategien der Hindernisbewältigung: Seine Lebensregeln, seine Glaubenssätze!
Das kindliche Denken ist noch einfach ausgeprägt; es unterliegt typischen Denkfehlern. Es kann die Welt, sein Selbst und die besten Überlebensstrategien noch nicht optimal erkennen. So treffe ich folgende zwei Feststellungen:
Kinder haben im Vorschulalter noch eine sehr undifferenzierte Art zu denken. Infolgedessen sind ihre Vorstellungen über das Funktionieren des Weltgeschehens noch sehr unrealistisch.
Viele Menschen versäumen es, im Laufe der weiteren Kindheits– und Jugendjahre dieses kindliche Selbst– und Weltbild der allgemeinen psychischen Reifung entsprechend anzupassen.
So bleiben Aspekte ihres Selbst– und Weltbildes bis ins Erwachsenenleben erhalten. Albert Einstein meinte dazu: „Wir können Probleme nicht auf der Einsichtebene lösen, auf der sie entstanden“.
Da ich seit 30 Jahren Autogenes Training unterrichte und in der gleichen Zeit als psychologischer Berater vielen Menschen in Konfliktsituationen zur Seite gestanden habe, weiß ich mich mit vielen „Seelen-helfern“ einig, wenn ich behaupte, dass aus oben genannten Gründen jeder Mensch übervoll von Konflikten und Problemen ist und deshalb gar keiner besonderen körperlichen und psychischen Symptomatik bedarf, um vom Autogenen Training oder der Autogenen Meditation zu profitieren, sondern der eigene Weg zur Gesundheit Entspannung, Selbstreflektion, Innenschau und Reorganisation braucht. So kann es der Übende lernen, sich selbst und seine eigenen Glaubenssätze auf Effizienz zu überprüfen, um in weiteren Schritten eigene Ressourcen auszuschöpfen, wobei es möglich wird, diese eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten für eine individuelle Problemlösung und eine sinnvolle Lebensführung einzusetzen.
Das Autogene Training
wurde zum Beginn dieses Jahrhunderts von dem Berliner Arzt Prof. J.H. Schultz begründet. Schultz entwickelte ein Verfahren, mit dem es jedem Menschen mit einigem Üben möglich war, sich seelisch und körperlich zu entspannen. Das Ziel des Verfahrens ist, autogen (d.h. aus sich selbst heraus) einzutrainieren (Training = regelmäßiges Üben), sich bis zu einem Grad zu entspannen, den man als stabilen Entspannungszustand beschreiben kann. Mediziner sprechen von einem Alpha-Zustand, einem Bewusstseinszustand, der zwischen Wachen und Schlafen liegt, in dem sich bei einem Menschen in der Gehirnstromkurve vermehrt Alpha-Wellen nachweisen lassen. Eine geistige Folge von Entspannung, die wir interessanterweise bei Kindern noch im normalen Tagesbewusstsein häufiger antreffen, weil Kinder offenbar noch weniger verspannt sind.
Es gibt bekanntlich nun aber Menschen, für die es schwierig oder gar unmöglich ist, diesen Zustand der „stabilen Entspannung“ zu erreichen.
Die Folge davon sind Stress, Schlaflosigkeit oder schon erste vegetative Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen ohne organische Ursache. Einfache Entspannungsübungen reichen hier nicht mehr aus! Vielmehr ist es notwendig, die aufgebauten, angelernten Verhaltensstrukturen bzw. falsche Glaubenssätze, mit Hilfe des mentalen Trainings oder der Phantasiereisen, die nicht nur zur Entspannung, sondern auch zur Persönlichkeitsentwicklung oder auch zur Schlafförderung geeignet sind, zu identifizieren und zu durchbrechen.
Diese mentalen Übungen führen vom Visualisieren zum Imaginieren, d.h. zuerst stellt sich die Übende geistige, innere Bilder noch aus der Phantasie oder aus der Erinnerung bildhaft vor, während letztere innere Bilder, „wie von selbst“ irgendwann auftauchen, ähnlich wie im Traum, im natürlichen Schlaf. Daher ist es auch nicht ungewöhnlich, dass Übende, insbesondere nach Überlastung, Schlafmangel oder Krankheit bei den Übungen einschlafen (und dagegen sollte man sich auch nicht wehren), die durch den Schlaf bewirkte Erholung wird dann einfach als das Beste angenommen werden müssen, was man in diesem Zustand erwarten konnte. Während eines tief entspannten Zustandes ist ein Zugang zum Unbewussten möglich, dadurch können auch unbewusste, schon verdrängte Inhalte ins Bewusstsein treten, gesichtet und auch verarbeitet werden, was eigentlich immer anleitungsbedürftig ist, sei es durch eine CD oder gar vom Therapeuten.









